25. November 2020
Ulrich Krökel

Mitmachen statt Likes verteilen

Interrail, Trampen, Rucksackreisen: Das waren in den 80er Jahren die Mittel und Wege, Europa kennenzulernen. Ich habe es selbst erlebt, und es war (meistens) schön. Aber es ist lange her, und ich bin durchaus nicht der Ansicht, dass früher alles besser war. Man braucht sich nur vor Augen zu führen, dass die jungen europäischen Rucksackreisenden, die es ja noch immer gibt, heute problemlos auch den Osten des Kontinents erkunden können. Mag sein, dass sie inzwischen häufiger Billigflieger als die Bahn benutzen (was vor allem einer fehlgeleiteten Politik geschuldet ist). Die Neugier aufs gegenseitige Kennenlernen ist aber ungebrochen.

Das zeigt sich nicht nur in den sozialen Netzwerken, sondern auch auf Portalen wie dem Onlinemagazin Meeting Halfway, das ich für eines der gelungensten seiner Art halte. Weit mehr als 100 meist junge Journalisten, Übersetzerinnen und Europafreunde aus allen Teilen des Kontinents arbeiten daran mit: unentgeltlich, getragen von ihrem Enthusiasmus und motiviert durch die Chance, eigene Arbeiten zu präsentieren. Das Resultat ist ein bunter Mix aus Reportagen, Porträts und Interviews, Kolumnen, Videos und Quiz zu Themen wie Kunst und Kultur, Geschichte und Politik, aber auch zu Fragen der Liebe oder des guten Essens. Nur klassischen Nachrichtenjournalismus sollte auf der Seite niemand erwarten. Übersetzt wird in fast 20 Sprachen. Darunter sind auch Regionalsprachen wie das Galizische oder das Katalanische. Allein das ist für mich ein Highlight der Seite.

Man kann sich natürlich fragen, ob solch ein Onlinemagazin in Zeiten von Facebook und Instagram funktionieren kann. Das ist aber die falsche Frage, denke ich. Es geht bei Meeting Halfway nicht um Klicks und Likes, Shares und Followers, sondern ums Entdecken. Es geht um junge Geschichten aus Europa. Vor allem aber geht es ums Mitmachen: “We don’t want you to work for us, we want to work with you.” Mehr Europa geht nicht, würde ich sagen.

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